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"TransCareKult – Anerkennung neu denken": Auf dem Weg zu einer transkulturellen Willkommenskultur in stationären Pflegeeinrichtungen

Autorinnen: Christina Hülsmann, Katja Kraus, Prof. Dr. Ulrike Schulze

Viele stationäre Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen begegnen dem Fachkräftemangel in der Pflege mit der Rekrutierung zugewanderter Pflegefachpersonen. Bewerbung, Ankunft und Sprachentwicklung - diesen und vielen weiteren Anforderungen stellen sich die Unternehmen mit unterschiedlichen Konzepten.

Im Rahmen des Forschungsprojektes "TransCareKult - Entwicklung einer übertragbaren inter- bzw. transkulturellen Willkommens- und Organisationskultur in stationären Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen" führten die Mitarbeiterinnen des Hessischen Instituts für Pflegeforschung (HessIP) teilnehmende Beobachtungen auf den Stationen sowie Interviews mit Neueingewanderten und Mitarbeitenden der konzeptionellen Ebene (Integrationsbeauftragte, Bereichsleitungen, etc.). Diese ergaben, dass ein gelingender Integrationsprozess durch die bestehenden Konzepte initiiert werden kann, "aber die Integration und der Erfolg hängt dann davon ab, wie die Mitarbeiter wirklich im Team auf Station ankommt und integriert wird und ähm egal ob man die ganze Rahmenbedingungen schön alles plant und macht, wenn da vor Ort was nicht stimmt, dann funktioniert das Ganze nicht..." (Material TCK, HIk_C_Q/263).

Doch was passiert auf den Stationen?

Auf den Stationen zeigten sich divergierende Bedarfe und Bedürfnisse aus Sicht der Neueingewanderten und langjährig Mitarbeitenden, z.B. in der Einarbeitung und der Teamkultur. Als ein wichtiger Faktor erweist sich die wertschätzende Wahrnehmung und Anerkennung als Person. Zur Bearbeitung dieses Spannungsfeldes gibt es in den Unternehmen in der Regel keine verankerten Konzepte.

Aufgrund der Ergebnisse und als Antwort auf diese wurde gemeinsam mit den Mitarbeitenden der Stationen in den letzten zwei Jahren (2015-2016) ein übertragbares Qualifizierungskonzept zur Etablierung einer transkulturellen Willkommens- und Organisationskultur entwickelt. Dieses basiert auf vier inhaltlich unterschiedlichen Qualifizierungsbausteinen:

"Anerkennung neu denken"

Alle Qualifizierungsbausteine zielen auf die Etablierung einer transkulturellen Willkommens- aber auch Anerkennungskultur ab. Im Fokus steht dabei nicht die Anerkennung der Berufsqualifikation der eingewanderten Pflegenden, sondern die gegenseitige fachliche, vor allem aber persönliche Wertschätzung und Anerkennung innerhalb des Teams. Der wechselseitige Integrationsprozess wird damit gestärkt. In den Fortbildungsveranstaltungen des Projektes „TransCareKult - Anerkennung neu denken“ werden die Qualifizierungsbausteine inhaltlich umgesetzt und die Teilnehmenden beispielsweise mit folgender Situation konfrontiert:

Schichtübergabe

Auf dem Gang der Station herrscht noch hektisches Treiben. Es ist laut. Im Stationszimmer sitzt Monika breitbeinig auf dem Tisch, inmitten des Raumes. Den Dienstplan auf dem Schoß. Sie unterhält sich angeregt  mit Barbara, die neben ihr, entspannt zurückgelehnt auf einem Stuhl sitzt. Sie sprechen und lachen laut. Schräg links hinter ihnen sitzen Lisa und Lucia nebeneinander. Der Blick auf Lucia ist beinahe verdeckt durch Monika, die mit dem Rücken zu ihr sitzt. Lucia und Lisa schweigen, blicken zu Boden und tauschen vereinzelte, verhaltene Blicke aus. Auf der anderen Seite des Raumes steht ein kleiner Aktenschrank. Auf diesem sitzt Murat. Ebenfalls schweigend blickt er scheinbar beschämt und verunsichert zu Boden. Er wirkt angespannt.

Durch interaktive Perspektivwechsel zur Selbsterfahrung

Eine Sensibilisierung der Schulungsteilnehmenden findet zum einen über den kognitiven Ansatz statt, beispielweise in der Bearbeitung von Fallbeispielen. Zum anderen über das szenische Verstehen mittels Rollenspielen und Aufstellungen. Im Mittelpunkt stehen der interaktive Austausch, das Vornehmen von Perspektivwechseln sowie die Selbsterfahrung der Teilnehmenden. Gemeinsam werden Lösungen zu Förderfaktoren und Barrieren im Rahmen einer Willkommenskultur sowie Strategien zur Umsetzung der Schulungsinhalte in den Pflegealltag erarbeitet.

Die Weiterführung des Projektes in den Jahren 2017- 2018 dient der großflächigen, hessenweiten Verankerung und Weiterentwicklung des Qualifizierungskonzeptes in stationären Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sowie Ausbildungsstätten der Pflege.

Weitere Informationen zu "TransCareKult - AND" sowie Kontaktdaten finden Sie auf der Teilprojektseite

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