Zum Inhalt springen

Sie sind hier:

Die Vielfalt der Gesellschaft in der Verwaltung abbilden. Interview mit der WIR-Koordination im Vogelsbergkreis

Das IQ Teilprojekt „Interkulturelle Kompetenz: Hessens Vielfalt“ von Arbeit und Bildung (AuB) begleitet seit 2016 den interkulturellen Öffnungsprozess der Kreisverwaltung des Vogelsbergkreises. Seitdem wurden für weite Teile der Verwaltung interkulturelle Grundsensibilisierungen mit dem Schwerpunkt Asyl & Flucht durchgeführt.

Im Frühjahr diesen Jahres folgten zwei Kick-Off-Schulungen mit Beschäftigten aus den Fachämtern zur kundenorientierten Verwendung von einfacher Sprache. Bis heute wurden 22 Schulungen von Arbeit und Bildung im Vogelsbergkreis durchgeführt und insgesamt 309 Personen geschult.

Michaela Stefan ist WIR-Koordinatorin im Vogelsbergkreis und begleitet den interkulturellen Öffnungsprozess der Kreisverwaltung. Im Interview geht sie auf den Schulungsbedarf im Vogelsbergkreis ein, reflektiert über die Zusammenarbeit mit Arbeit und Bildung und skizziert weitere Schritte der interkulturellen Öffnung.

IQ Netzwerk Hessen:
Frau Stefan, als WIR-Koordinatorin sind Sie u.a. für die Organisation von Schulungen zur interkulturellen Kompetenzentwicklung der Verwaltung zuständig. Wie kam es dazu, dass Sie sich im Vogelsbergkreis dafür entschieden haben, weite Teile der Verwaltung schulen zu lassen – über das Kommunale Jobcenter hinaus?

Michaela Stefan:
Der Auftrag der interkulturellen Öffnung der Verwaltung ergibt sich aus dem WIR-Programm des Hessischen Ministeriums für Soziales und Integration. Der Vogelsbergkreis hat sich 2015 entschlossen am WIR-Programm teilzunehmen. Die Förderung der Integration ist im Koalitions-Vertrag von CDU und SPD verankert.

Durch die Ernennung einer ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten zur Beauftragten für Integration, Inklusion und Gleichstellung hat die Aufgabe zusätzliches politisches Gewicht erhalten. Zunächst nahmen die Amtsleitungen und deren Stellvertretungen außerhalb von IQ an einem Workshop zu den Themen „Interkulturelle Öffnung“ und „Interkulturelle Kompetenz“ teil. Daraus erwuchs der Auftrag alle Bediensteten der Kreisverwaltung zu schulen.

Ich selbst hatte an einer Schulung zum Thema ‚Interkulturelle Grundsensibilisierung‘ […] teilgenommen und diese Schulung als sehr bereichernd empfunden.

An der Schulung sollten anfangs alle Kolleginnen und Kollegen mit Publikumsverkehr teilnehmen. Nach und nach wurden und werden noch die Bereiche ohne direkten Kundenverkehr geschult. Ich selbst hatte an einer Schulung zum Thema „Interkulturelle Grundsensibilisierung“ von Arbeit und Bildung im Rahmen des IQ Netzwerks Hessen teilgenommen und diese Schulung als sehr bereichernd empfunden.

Daraufhin habe ich bei Arbeit und Bildung in Marburg angefragt, ob wir über die Mitarbeitenden des Jobcenters hinaus Schulungen für die übrigen Beschäftigten in der Kreisverwaltung anbieten können.

IQ Netzwerk Hessen:
Seit 2016 begleitet das IQ Teilprojekt von Arbeit und Bildung den interkulturellen Öffnungsprozess der Verwaltung im Vogelsbergkreis. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit?

Michaela Stefan:
Die Zusammenarbeit ist sehr gut. Die Beziehungen zur Leitungsebene von Arbeit und Bildung in Marburg und zu den Referenten basieren auf gegenseitigem Vertrauen und Verlässlichkeit. Die Terminfindung ist unkompliziert und neue Schulungstermine sind auch kurzfristig möglich.

IQ Netzwerk Hessen:
Was haben die Schulungen in Ihren Augen bewirkt? Sind sie noch ein Gesprächsthema bei den Kolleginnen und Kollegen?

Die Schulungen haben aus meiner Sicht zu einem noch wertschätzenderen Umgang mit Migrantinnen und Migranten geführt und ein besseres Verständnis für andere Kulturen vermittelt.

Michaela Stefan:
Manche Kolleginnen und Kollegen waren anfangs skeptisch. Nach den Schulungen waren die Rückmeldungen durchweg positiv.

Bis auf eine geringe Anzahl von Schulungen wurden alle von Arbeit und Bildung in Marburg und zudem noch von demselben Referenten durchgeführt. Dies war für den Austausch der Kolleginnen und Kollegen untereinander von Vorteil.

Die Schulungen haben aus meiner Sicht zu einem noch wertschätzenderen Umgang mit Migrantinnen und Migranten geführt und ein besseres Verständnis für andere Kulturen vermittelt.

IQ Netzwerk Hessen:
Wie sieht der nächste Schritt im interkulturellen Öffnungsprozess der Kreisverwaltung aus?

Michaela Stefan:
Der nächste Schritt zur interkulturellen Öffnung ist die Überarbeitung der Bescheide der Fachämter des Vogelsbergkreises und der Homepage der Kreisverwaltung im Hinblick auf „Einfache Sprache“. Es wird zudem eine Vorlesefunktion auf der Homepage eingerichtet.

Bei der Auswahl des Personals wird auch darauf geachtet, dass Menschen mit Migrationshintergrund eine Chance bekommen, um letztlich auch in der Verwaltung die Vielfalt der Gesellschaft abzubilden.

IQ Netzwerk Hessen:
Das klingt nach einem sinnvollen nächsten Schritt im interkulturellen Öffnungsprozess der Verwaltung. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg dabei. Vielen Dank für das Interview, Frau Stefan.


Die IQ Angebote von Arbeit und Bildung erfreuen sich in der Region großer Nachfrage. Für 2018 sind unter anderem weitere Grundsensibilisierungen für die Jobcenter in Gießen und Wetzlar terminiert, im Schwalm-Eder-Kreis beginnen im August Organisationsberatung und Schulungen mit dem Fachdienst Ausländerwesen. Die Bedarfe sind also weiter vorhanden.

Zurück zum Seitenanfang
Navigation