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Chancen und Hürden bei der Arbeitsmarktintegration: Stimmungsbild aus dem IQ Projekt InAquA

Für Migrantinnen und Migranten, insbesondere Geflüchtete mit ausländischem Studienabschluss erweist sich die Suche nach qualifizierter Arbeit häufig als Herausforderung. Der Grund: Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber können die ausländischen Qualifikationen nicht einordnen. Zudem fehlt es vielfach an Wissen um bestehende Unterschiede zwischen den Bildungssystemen. Und so bleibt die Einladung zum Bewerbungsgespräch oftmals aus.

Mit dieser Ausgangssituation sahen sich auch die Teilnehmenden der hessischen IQ Brückenmaßnahme „InAquA“ am Standort Darmstadt konfrontiert. Trotz Studienabschluss, teils mehrjähriger Berufserfahrung im Herkunftsland sowie Praktika in Deutschland konnte die Gruppe syrischer Geflüchteter keine qualifikationsadäquate Arbeit finden. Es blieb allenfalls bei Minijobangeboten oder berufsfremden Tätigkeiten im Rahmen von Praktika. Die Schlussfolgerung der Teilnehmenden: Sie müssen sich für den Arbeitsmarkt in Deutschland qualifizieren, wenn sie in ihrem studierten Beruf Fuß fassen möchten.

Durch interkulturelles Training und Sprachcoaching für den Arbeitsmarkt positionieren

Genau hier setzt der Internationale Bund (IB) mit seinem Projekt „InAquA“ für Akademikerinnen und Akademiker aus nicht-reglementierten Berufen an: Durch die Kombination aus interkultureller Kompetenzvermittlung und berufsbezogener Sprachförderung werden die Teilnehmenden befähigt, sich auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland zu positionieren. „In Syrien konnte ich einfach arbeiten, aber in einem fremden Land will ich wissen, wie ich eine Arbeit finden kann, wie ich mich besser bewerben kann“, berichtet Alaa Alsadi von seinen Erwartungen zu Beginn der Maßnahme.

Wie vermarkte ich mich? Aktive Karriereplanung beim IQ Projekt InAquA

Neben dem Erwerb von Kenntnissen zum Bewerbungsprozedere geht es zunächst in der dreimonatigen Präsenzphase des Projekts darum, Selbstvermarktungsstrategien einzuüben. Dabei lernen die Teilnehmenden, eigene Stärken besser zu erkennen und das eigene Profil zu stärken - kurzum: aktive Karriereplanung zu betreiben, was sie aus ihren Heimatländern häufig nicht gewohnt sind. Zu diesem Zweck besuchte die Gruppe syrischer Geflüchteter unter anderem eine Jobmesse für Ingenieure in Frankfurt - eine hilfreiche Erfahrung, wie Bauingenieur Alaa Kango betont: „Wir haben uns für diese Messe gut vorbereitet und wir haben viel gelernt: wie man sich kleidet, wie man stehen soll, wie man Smalltalk mit Vertretern führen kann. Früher hatten wir glaube ich alle Angst davor, auf einer Messe zu stehen.“

Bewerbungshürde: Fehlendes Wissen um Unterschiede zwischen Bildungssystemen bei Arbeitgebern

Doch obwohl die Teilnehmenden in der Qualifizierungsmaßnahme an Selbstsicherheit gewonnen haben, sehen sie weiterhin Hürden bei der Bewerbung. „Beim Studium gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und den anderen Ländern. Bei uns studieren Ingenieure fünf Jahre. Ich glaube, wir haben mehr Informationen und mehr Erfahrungen durch das Studium. Natürlich kann man ohne Berufserfahrung nichts machen, aber wir brauchen die Chance, unsere Kenntnisse zu zeigen“, fordert Dali Ali.

Als Schlüssel für den Zugang zum Arbeitsmarkt sehen der Agraringenieur und die anderen Teilnehmenden die deutsche Sprache. In der IQ Brückenmaßnahme lernen sie ihre sprachlichen Kenntnisse für den Beruf zu optimieren. Doch der Spracherwerb kostet Zeit, wie Ashraf Haji zu bedenken gibt: „Ich denke, dass die jungen [Menschen] mehr Chancen haben als die alten. Wir brauchen viel Zeit um Sprachkenntnisse zu sammeln.“

Erschwerend kommt laut Teilnehmer Abdulrahman Alababidi hinzu, dass Bauingenieure in Deutschland zum Teil mit anderen Werkzeugen und Methoden arbeiten als etwa Ingenieure in Syrien: „Ich habe Erfahrungen in meiner Heimat gesammelt, aber hier habe ich gemerkt, dass Firmen und Bauingenieure eigene Programme benutzen. Ich glaube, man muss diese Programme beherrschen, um eine gute Chance auf eine Arbeit zu haben“. Alababidis Plan ist es, sich diese Kenntnisse im Rahmen einer Weiterbildung anzueignen und so einen Zugang in den Arbeitsmarkt zu finden.

40 Prozent der Teilnehmenden nach vier Wochen in Arbeit vermittelt

In der zweiten Phase der Brückenmaßnahme - dem aktiven Praxistransfer - haben die Teilnehmenden denn auch die Möglichkeit, sich weiterzuqualifizieren. Hier setzen sie das Gelernte aktiv um: Je nach individuellem Bedarf starten sie direkt in die Bewerbungsphase, absolvieren Praktika oder besuchen Sprachkurse. Dabei agieren sie eigeninitiativ, werden jedoch bei Bedarf von den Projektmitarbeitenden begleitet, etwa bei Praxisphasen in Betrieben oder beim Verfassen von Bewerbungsanschreiben.

Bislang ist es rund 40 Prozent der Teilnehmenden von „InAquA“ innerhalb von vier Wochen nach Abschluss der Maßnahme gelungen, eine bildungsadäquate Beschäftigung auf dem Arbeitsmarkt zu finden. Eine Perspektive, die die Gruppe der syrischen Geflüchteten vor Beginn der Bewerbungsphase optimistisch stimmt, so auch Dali Ali: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es mir geholfen hat, weil ich jetzt meinen Weg ausgewählt habe. Ich weiß jetzt, was ich will, wie ich weitermachen kann. Jetzt habe ich als Agraringenieur eine Chance auf dem Arbeitsmarkt."

Sie möchten mehr über das Qualifizierungsprojekt des Internationalen Bunds erfahren? Hier finden Sie weitere Informationen zur IQ Brückenmaßnahme InAquA

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