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Foren

In zehn Fachforen konnten die Teilnehmenden gemeinsam mit Expertinnen und Experten einzelne Aspekte rund um das Thema Arbeitsmarktintegration von Neueingewanderten aktiv diskutieren. Nachfolgend finden Sie die Forenbeschreibungen sowie Fotos und gegebenenfalls Vortragsfolien aus den einzelnen Foren.

13:45 bis 14:45 Uhr

Anerkennung

Unternehmen in Deutschland brauchen Fachkräfte und Fachkräfte mit ausländischer Qualifikation wollen im erlernten Beruf arbeiten. Damit beides gelingen kann, hat die Bundesregierung in 2012 das sogenannte Anerkennungsgesetz auf den Weg gebracht. Es gilt als Meilenstein, um ausländischen Fachkräften den Weg in den Arbeitsmarkt zu ebnen. Und in der Tat, die Gesetzgebung greift, die Antragszahlen steigen und die Integrationschancen verbessern sich.

In dem Forum sollte einmal genauer hingeschaut werden: Welche Anforderungen sind während des Anerkennungsverfahrens zu meistern, welche Herausforderungen müssen bewältigt werden, was sind typische Schwierigkeiten am Übergang in den Arbeitsmarkt? Die Referentinnen berichteten aus der Praxis der IQ Anerkennungsberatung und einer IQ Qualifizierung zur Vorbereitung von ausländischen Ingenieurinnen und Ingenieuren auf den Arbeitsmarkt. Im Forum wurde außerdem diskutiert, was getan werden muss, um Unternehmen mit der Anerkennungsgesetzgebung besser vertraut zu machen und wie sie davon profitieren können.

Referentinnen:

Moderation:

Präsentationsfolien (PDF 541 KB)

Atypische Beschäftigung

Immer mehr Menschen sind in Teilzeit, Leiharbeit, befristet oder geringfügig beschäftigt. Sie sind häufiger von niedrigen Stundenlöhnen betroffen als Beschäftigte in Normalarbeitsverhältnissen, wodurch sich insbesondere für Geringqualifizierte erhöhte Prekaritätsrisiken ergeben.

Atypische und prekäre Beschäftigungsverhältnisse können jedoch für Neueingewanderte oftmals der erste Schritt in den deutschen Arbeitsmarkt sein. Ihre Bereitschaft wird häufig durch den dringenden Wunsch nach Arbeit, oftmals aus finanziellen Verpflichtungen heraus, getragen.

Fehlende Sprachkenntnisse, nicht anerkannte oder fehlende Berufsabschlüsse sowie mangelnde Weiterbildungsmöglichkeiten können aber dazu führen, dass diese Beschäftigungsverhältnisse vor allem im Niedriglohnsektor von Dauer sind und die Chance, langfristig und sozialverträglich in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, schwindet.

Das Forum thematisierte die verschiedenen Formen atypischer und prekärer Beschäftigung und deren gesellschaftlichen und ökonomischen Stellenwert. Es ging den Fragen nach, welche besondere Bedeutung diese Beschäftigungsformen für die Arbeitsmarktintegration von Neueingewanderten haben und inwiefern Neueingewanderte überhaupt vermehrt an Formen qualifikationsadäquater Bildung und Beschäftigung herangeführt werden können.

Referentinnen und Referenten:

  • Maria Aniol, Beratungsstelle Faire Mobilität, Deutscher Gewerkschaftsbund
  • Frank Hildebrand, Fachdienstleiter Migration Asyl, Kreisausschuss des Landkreises Hersfeld-Rotenburg

Moderation:

  • Holger Heinze, IG Metall Vorstand, Fachbereich Arbeitsgestaltung und Qualifizierungspolitik, Ressort Bildungs- und Qualifizierungspolitik

Anwerbung

Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland ist in der Pflegebranche längst an der Tagesordnung. Die Einrichtungen haben oft ausgefeilte Anwerbekonzepte und trotzdem klappt es nicht immer die ausländischen Fachkräfte zu halten. Häufig verlassen sie das Unternehmen schnell wieder, manchmal sogar gleich das Land.

Dabei ist eine Anwerbung mit viel Aufwand und hohen Investitionen verbunden. Ein Grund sind  fehlende Strategien zur Integration der Fachkräfte nach der Anwerbung, denn oft enden die Überlegungen in den Anwerbekonzepten bei der Unterzeichnung des Arbeitsvertrags. Dabei ist eine Unterstützung z.B. bei der Integration ins Team oder dabei die Anforderungen des deutschen Pflegesystems zu erfüllen, essentiell für eine gelingende Integration ins Unternehmen.

Die Referentinnen der AGAPLESION Frankfurter Diakonie Kliniken und des hessischen Instituts für Pflegeforschung stellten im Forum Ihre Erfahrungen mit der Anwerbung von ausländischen Fachkräften vor und erläuterten, wie die Integration ins Unternehmen für alle Beteiligten gelingen kann und wie ihre Erfahrungen auch auf andere Branchen übertragen werden können.

Referentinnen:

  • Bettina Pfaff-Degenkolb, Pflegedienstleiterin AGAPLESION FRANKFURTER DIAKONIE KLINIKEN
  • Katalin Bordi, Referentin Internationales Recruiting & Personalentwicklung AGAPLESION gAG
  • Christina Hülsmann, IQ Projekt „TransCareKult“, Hessisches Institut für Pflegeforschung (HessIP)
  • Katja Kraus, IQ Projekt „TransCareKult“, Hessisches Institut für Pflegeforschung (HessIP)

Präsentationsfolien:

HessIP (PDF 389 KB)

AGAPLESION (PDF 0,99 MB)

Frauen

Neben Spracherwerb, Bildung und Qualifizierung stehen neueingewanderte Frauen oftmals vor zusätzlichen Herausforderungen, die ihnen den Einstieg in die Erwerbstätigkeit erschweren. Vor allem aufgrund ihrer engen familiären Einbindung nehmen sie nicht im gleichen Maße an Integrationsangeboten wie Männer teil.

Traditionelle Rollenbilder sowie die Bildungsbenachteiligung von Frauen in manchen Herkunftsregionen kommen in vielen Fällen hinzu. Insbesondere geflüchtete Frauen benötigen aufgrund traumatischer Erlebnisse und Gewalterfahrungen oft psychologische Hilfe.

In der Beratung stellt sich damit die Aufgabe, neben der Bildungs- und Beschäftigungsbiografie auch die Lebenssituation der einzelnen Frauen in den Blick zu nehmen, Angebote entsprechend auszurichten und mit anderen Angeboten (z.B. begleitende Kinderbetreuung) abzustimmen und zu verzahnen, damit eine umfassende Begleitung möglich wird.

Unterstützungsansätze für die Frauen sowie Beispiele aus der Praxis wurden in dem Forum vorgestellt und diskutiert.

Referentinnen:

  • Beate Lunk, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, Kommunales Jobcenter Wiesbaden
  • Sigrid Becker-Feils, Stv. Geschäftsführerin, beramí berufliche Integration e.V.

Moderation:

Aufenthaltsrecht

Am 06. August 2016 trat das Integrationsgesetz in Kraft. Dieses greift als Artikelgesetz in nicht weniger als 6 verschiedenen Rechtsnormen ein. Neben umfassenden Verschärfungen gibt es - insbesondere beim Zugang zu Arbeit und Ausbildung - einige Verbesserungen.

Die Referenten mit ihrer langjährigen Erfahrung in der Arbeit mit Geflüchteten und im Bereich Arbeitsmarktintegration zeigten im Forum die Neuregelungen des Gesetzes auf und beleuchteten die Chancen, welche das neue Aufenthaltsrecht für Qualifizierung und Arbeitsaufnahme bietet. Grenzen des Gesetzes und Möglichkeiten, diese zu überwinden wurden ebenfalls thematisiert.

Referenten:

Moderation:

  • Hildegund Niebch, Diakonie Hessen

15:15 Uhr bis 16:15 Uhr

KMU

Bei der Integration von Migrantinnen und Migranten in den Arbeitsmarkt ist die Aufnahmebereitschaft der Klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) unerlässlich. Sie stellen die Mehrzahl der Arbeitsplätze und sind auf qualifizierte Fachkräfte angewiesen.

Oftmals haben KMU keine ausreichende Ressource, um die formalen Anforderungen bei der Einstellung z.B. von Geflüchteten ohne Unterstützung und Beratung zu bewältigen. Wenn die  Beschäftigung von Neueingewanderten unmittelbar bevorsteht, ergeben sich außerdem viele ungeklärte Fragen: Wie sicher kann ich planen, wenn ich einen Flüchtling in Duldung oder Gestattung einstellen möchte? Was mache ich, wenn die Belegschaft Unmut äußert, weil ein „Ausländer“ eingestellt werden soll? Wie löse ich das Problem, wenn die Person, die ich einstellen möchte, keinen Führerschein hat? Wie kann ich meine betriebsinternen Weiterbildungsmaßnahmen so anpassen, dass sie auch für Beschäftigte mit geringen Deutschkenntnissen fruchtbar sind?

Damit KMU diese Herausforderungen bewältigen können, gibt es niedrigschwellige Beratungsangebote. Die Teilnehmenden konnten sich im Forum einen Eindruck darüber machen, welche Unterstützungsangebote es gibt und welche Bedarfe KMU haben.

Referentinnen und Referenten:

  • Enrico Gaede, Bildungsberater Kassel Stadt, IHK Kassel-Marburg
  • Tina Martinson, IQ Servicestelle "Vielfalt im Betrieb", Arbeit und Bildung e.V.
  • Dr. Tina Christmann-Ayles, Geschäftsführerin, CHRISTMANN Fahrzeugbau GmbH & Co KG

Moderation:

Qualifizierung ohne formale Abschlüsse

Nicht alle Neueingewanderten haben im Heimatland erfolgreich studiert oder einen Beruf erlernt. Viele haben aber trotzdem gearbeitet und in verschiedenen Branchen Berufserfahrung und Kompetenzen erworben. In Deutschland soll nun an diese Erfahrungen und Fähigkeiten angeknüpft werden, um den Einstieg in Qualifizierung und Arbeit zu schaffen.

Die Integration in den Arbeitsmarkt stellt die Neueingewanderten und die beteiligten Bildungsträger und andere Arbeitsmarktakteure vor Herausforderungen. Im Forum beleuchteten die Referentinnen und Referenten Stolpersteine und Gelingensfaktoren bei der Qualifizierung und Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten ohne formale Qualifikationen.

Referentinnen und Referenten:

  • Doritt Komitowski, IQ Fachstelle Einwanderung, Minor-Projektkontor für Bildung und Forschung e.V.
  • Charles Guillaume, IQ Projekt "First Step- Mittelhessen", Mittelhessischer Bildungsverband e.V.

Moderation:

Präsentationsfolien (PDF 651 KB)

Schaubild und Handout (PDF 427 KB)

Deutsch

Deutschunterricht und die Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration sollen von Anfang an Hand in Hand gehen und enger als bisher verzahnt werden, so sieht es das Gesamtprogramm Sprache (GPS) der Bundesregierung vor.

Das 2017 auslaufende ESF-BAMF-Programm wird von den sogenannten Berufssprachkursen abgelöst, deren Basismodule (B2 – C2) auf den Integrationskursen (Alpha bis B1) aufbauen. Zudem beinhaltet das Programm eine Reihe von Spezialmodulen, z.B. Deutsch als Zweitsprache (DaZ) für spezifische Berufsfelder. Die Umstrukturierung hat im Herbst 2016 begonnen, neue Träger befinden sich in der Zulassungsphase und die bisherigen Träger des ESF-BAMF-Programms haben bereits mit der Durchführung der ersten Basismodule begonnen.

Im Forum bewerteten Akteure aus der Praxis sowie dem BAMF das neue Programm und berichteten über erste Erfahrungen der Umsetzung. Außerdem beleuchteten sie Probleme und Vorteile und erörterten aktuelle Fragen wie z.B.: Wird der Bedarf an Sprachförderung – qualitativ und quantitativ – gedeckt? Funktioniert die Zuleitung? Wo gibt es Unterstützungsbedarfe?

Referentinnen und Referenten:

  • Cordelia Hainke, Volkshochschule Rüsselsheim

Moderation:

  • Susan Kaufmann

Präsentationsfolien (PDF 603 KB)

Sprachsensible beraten

Komplexe Inhalte im Beratungsgespräch verständlich zu vermitteln, stellt die Beratenden vor große Herausforderungen: Sie müssen komplexe Zusammenhänge so vermitteln, dass sie verstanden werden, ohne dass dabei wichtige Informationen verloren gehen.

Eine bewusste Wortwahl und ein achtsamer Umgang mit Strukturen können die Verständigung ebenso unterstützen wie angemessenes Sprachtempo und Lautstärke. Diese und andere Mittel und Methoden, durch die Kommunikation verständlich und damit stressfrei und zielführend gestaltet werden kann, waren Gegenstand des Forums.

Referentinnen:

Existenzgründung

Die Berufsbiographie vieler Neueingewanderter zeichnet aus, dass sie in ihrem Herkunftsland unternehmerisch tätig waren, als verantwortlich Mitarbeitende oder Unternehmer. Wie können diese Erfahrungen als Kompetenzen in den deutschen Arbeitsmarkt eingebracht werden?

Auch die aktuellste Studie zur Migrantenökonomie in Deutschland unterstreicht die wachsende Bedeutung von Neueingewanderten für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Integration. Hieraus wurden ausgewählte Befunde erörtert.

Für die Arbeit in der Berufsorientierung/-beratung von Neueingewanderten bedeutet dies, sich mit folgenden Fragen auseinanderzusetzen: Wie können Gründungsinteressierte mit Fluchtbiographie adäquat unterstützt werden, um den Weg in den Arbeitsmarkt zu gestalten? Welche Voraussetzungen bedingt dies? Welche rechtlichen Hintergründe sind zu berücksichtigen? Für diesen Klärungsprozess präsentierten die Referentinnen verschiedene Optionen.

Als eine mögliche Antwort wurde das neue Mentoring-Projekt „Frauen mit Fluchtbiografie gründen“ von jumpp vorgestellt. Auch erhielten die Teilnehmenden Informationen zu Arbeitsmaterialien, welche die beraterische Arbeit für gründungsinteressierte Neueingewanderte unterstützen.

Referentinnen:

  • Nadine Förster, Leitung der IQ Fachstelle Migrantenökonomie, Institut für Sozialpädagogische Forschung (ism) Mainz
  • Ramona Lange, Projektleitung und Beratung, jumpp- Ihr Sprungbrett in die Selbständigkeit Frauenbetriebe e.V.

Präsentationsfolien (PDF 532 KB)

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